Beratung und Hilfe
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Veranstaltungsliste

30.05.2016, 14:30 - 16:00

Verzäll-Café mit demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen

in der Kontakt- und Beratungsstelle der Integrierten Psychiatrieseelsorge Aachen Mehr

30.05.2016, 17:30 - 19:00

Gottesdienst für psychiatrie-erfahrene Menschen

in der Citykirche St.Nikolaus Aachen Mehr

03.06.2016, 16:00 - 17:30

Trauercafé Miteinander

04.06.2016, 09:30 - 17:00

Hilfen in der Begleitung sterbender und trauernder Menschen

Seminartag mit Ruthmarijke Smeding Mehr

04.06.2016, 14:00 - 17:00

Ich lebe alleine - na und? Na und dann?

Sie leben alleine und sind zwischen 50 und 65 Jahre? Mehr

 
 
Das Bistum vereinfacht das Verfahren für die Förderung zur Herrichtung von Wohnraum für Flüchtlinge

Barbara Bürger arbeitet beim Bistum Aachen. Auf ihrem Schreibtisch landen Förderanträge aus Kirchengemeinden, die Wohnraum für Flüchtlinge schaffen wollen.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 10/2016

Es geht der Kirche um gute Lösungen

Das Bistum vereinfacht seine Förderung für Flüchtlingswohnraum

Wohnraum verzweifelt gesucht: Die Kommunen sind herausgefordert, Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu geben. Die Kirche ist ihnen bei dieser Aufgabe ein Partner, kann aber auch keine Wunder vollbringen. Manchmal scheitern Initiativen an der Finanzierung.

Das soll nicht sein. Deshalb vereinfacht das Bistum das Verfahren, mit dem es Mittel zur Wohnraumförderung für Flüchtlinge bewilligt. Ein Interview mit Barbara Bürger, Sachbearbeiterin im Bischöflichen Generalvikariat Aachen, gibt aktuelle Einblicke.

 

Tut die Kirche genug in der Frage des Wohnraums für Flüchtlinge?

Der öffentliche Druck ist groß. So mancher Bürgermeister klopft an die Tür der Kirche, um Unterstützung zu erhalten. Nach allem, was ich weiß, erhalten sie diese Unterstützung. Alleine uns im Bischöflichen Generalvikariat sind mehr als 50 Objekte im Besitz von Kirchengemeinden bekannt, in denen rund 500 Flüchtlinge leben.

 

Ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Wir gehen davon aus, dass wesentlich mehr geschieht. Nicht alle Kirchengemeinden, die bereits Wohnraum für Flüchtlinge bereitstellen, machen ihr Engagement öffentlich. Andererseits ist man vorsichtig, denn es gibt durchaus begründete Ängste vor Sachbeschädigung und Gewalt.

 

Warum tun sich manche so schwer, den Beitrag der Kirche anzuerkennen?

Die Nöte der Kommunen sind wirklich groß, das sehen wir und wollen unseren Beitrag leisten. Zugleich stehen wir als Kirche für das Anliegen, die Menschen würdig unterzubringen. Sammelunterkünfte sind, über einen längeren Zeitraum hinweg, keine geeigneten Unterbringungen. Das gilt für Turnhallen ebenso wie für Gotteshäuser. Wir wollen mit anderen Akzenten an dieser Aufgabe mitwirken. Es geht nicht nur um gute Zahlen, sondern um gute Lösungen.

 

Das heißt konkret?

Wir setzen auf Wohnraum statt auf Sammelunterkünfte. Das ist mühsam, aber im Sinne der Integration und des friedlichen Zusammenlebens die bessere Alternative. Viele Kirchengemeinden haben da Möglichkeiten. Ich weiß von verschiedenen, die entweder überlegen oder sich schon auf den Weg gemacht haben, diese Möglichkeiten zu erschließen. Im Zuge des Kirchlichen Immobilien-Managements denken die Verantwortlichen ohnehin noch einmal neu über ihre Gebäude nach. Wir als Bistum Aachen erneuern und verstärken unser Angebot, die Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge mit finanziellen Zuschüssen zu unterstützen.

 

Wie ist dieses Angebot bisher wahrgenommen worden?

Im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Gelder abgerufen worden als erwartet. Das war schon etwas enttäuschend. Wir haben uns damit selbstkritisch auseinandergesetzt. Vielen Verantwortlichen in den Kirchengemeinden war das bisherige Förderverfahren sicher zu kompliziert. Hinzu kam, dass für die Verantwortlichen nicht von Beginn an klar war, ob ihnen ein Zuschuss zustand oder nicht. Es gab keine Planungssicherheit in dem Moment, in dem man das Für und Wider von Maßnahmen diskutierte. Bei allem guten Willen in den Kirchengemeinden ist es nicht einfach, Projekte für Flüchtlinge auf den Weg zu bringen, und wenn einem ausgerechnet beim Geld Argumente fehlen, ist das durchaus kontraproduktiv.

 

Was haben Sie daraus für Konsequenzen gezogen?

Zum 1. März gelten neue Regelungen. Die überarbeitete Richtlinie für Wohnraumförderung wird im Kirchlichen Anzeiger und im Internet veröffentlicht. Das Antragsverfahren ist vereinfacht worden, die Fördersummen sind nun von Anfang an transparent. Alle Baumaßnahmen in Immobilien einer Kirchengemeinde, die für einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren der Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge dienen, können gefördert werden. Und zwar unabhängig davon, ob es eine einfache Renovierung, eine Sanierung oder auch ein Neubau ist.

 

Können Sie bitte ein paar konkrete Zahlen nennen?

Gern. Wir fördern jeden Quadratmeter Wohnfläche, der durch eine Maßnahme für Flüchtlinge bereitgestellt wird. Es gibt dafür keine komplizierte Formel mehr, sondern feste Fördersätze. Für Schönheitsreparaturen 25 Euro pro Quadrat- meter, für Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten 50 Euro und für aufwendigere Maßnahmen 150 Euro.

 

Welche aufwendigeren Maßnahmen haben Sie im Blick?

Damit meinen wir Sanierungs-, Um- und Ausbauarbeiten. Nicht jede Immobilie ist von jetzt auf gleich geeignet, Menschen angemessenen Wohnraum zu geben. Teilweise stehen Gebäude schon länger leer. Oder sie wurden zu anderen Zwecken gebaut, mit entsprechend ungeeignetem Zuschnitt. Oft fehlt es an ordentlichen sanitären Anlagen. Darüber hinaus haben wir auch den Neubau von Wohngebäuden im Blick.

 

Eine Zeit lang hieß es doch, die Kirche baut nicht mehr?

Wir beobachten, dass Kirchengemeinden in letzter Zeit verstärkt wieder als Bauherren auftreten. Das hat sicherlich auch mit den Bedingungen am Kapitalmarkt zu tun. Die Kirchengemeinden bebauen Grundstücke, um ihre Mittel sinnvoll einzusetzen und langfristig Einnahmen zu sichern.

 

Wie kommen nun die Flüchtlinge ins Spiel?

Die Idee ist, dass größere Vorhaben immer auch den sozialen Wohnungsbau im Blick haben. Neben der aktuellen Herausforderung, Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen, ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auch in Teilen des Bistums Aachen eine große Herausforderung. Für Haushalte mit geringen Einkommen – und dazu zählen auch anerkannte Flüchtlinge – ist es mancherorts kaum möglich, ausreichend bezahlbaren Wohnraum auf dem Wohnungsmarkt zu finden.

 

Was können die Kirchengemeinden konkret tun?

Eine Kirchengemeinde kann bei der Planung einer Baumaßnahme neben hochwertigen freifinanzierten Eigentumswohnungen und barrierefreien Wohnungen auch sozial geförderten Wohnraum einplanen. So entsteht eine sozial inklusive und zugleich finanziell durchmischte Planung, die ein gutes gesellschaftliches Miteinander fördert. Hier setzt unter anderem auch das Wohnraumförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen an, das neben dem sozialen Wohnungsbau auch die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge unterstützt. Den Zuschuss vom Bistum verstehen wir als zusätzlichen Anreiz für die Kirchengemeinden, die ein solches Vorhaben umsetzen wollen.

 

Und wenn einem Kirchenvorstand das Ganze eine Nummer zu groß ist?

Dann gibt es immer noch die Möglichkeit, das Grundstück mit eben solchen Visionen zu veräußern. Immer öfter entscheiden sich Kirchengemeinden, Grundbesitz zu verkaufen, um andere Baumaßnahmen zu finanzieren. Warum sollen sie das nicht gezielt tun, um auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung ihres Umfeldes zu leisten? Auch hier liegt für die Kirchengemeinden im Bistum Aachen eine große Chance, in kurzer Zeit viel zu bewegen.

Das Gespräch führte Thomas Hohenschue. Mehr Informationen im Internet unter www.fluechtlingsarbeit-bistum-aachen.de.


Veröffentlicht am 02.03.2016

 
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