Beratung und Hilfe
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Themenbereich Beratung und Hilfe

 
 
Almuth Grüner ist seit 100 Tagen Präventionsbeauftragte des Bistums Aachen

Almuth Grüner ist jetzt gute 100 Tage im Amt der Präventionsbeauftragten des Bistums.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 09/2016

Damit der Schutz auf Dauer da ist

Verbände und Einrichtungen verstärken Prävention gegen Missbrauch

Lebenslanges Leid: Das verursachen Täter, die sexuell übergriffig werden. Der meiste Missbrauch geschieht im Raum der Familie. Aber auch Sportvereine, staatliche oder kirchliche Einrichtungen sind Orte sexualisierter Gewalt.

Ganz verhindern lassen sich diese Übergriffe nicht – aber alles Menschenmögliche soll getan werden, ihnen vorzubeugen.

Niederkrüchten hat mit Kalle Wassong einen neuen Bürgermeister. Und das Bistum Aachen eine neue Präventionsbeauftragte. Almuth Grüner übernahm die verantwortungsvolle Aufgabe im November 2015. Gute 100 Tage später stellt sie sich dem Gespräch mit der KirchenZeitung. Und zeigt sich aufgeräumt und tatendurstig. „Ich kann an fünf Jahre engagierter Aufbauarbeit anknüpfen,“ sagt sie und bekennt zugleich: „Nach der ersten Einarbeitungsphase bin ich beeindruckt, an wie vielen Orten an der Umsetzung der Präventionsordnung mit hohem Einsatz gearbeitet wird.“

18000 hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter bei Kirche und Caritas im Bistum Aachen wurden in den letzten Jahren geschult. Die Sensibilität dafür, sexualisierte Gewalt in den eigenen Reihen zu verhindern, zu erkennen, zu thematisieren, ist deutlich gewachsen. Die vielen laufenden Prozesse mit Kooperationspartnern wie Jugendverbänden und Caritasverband führt Almuth Grüner fort und baut diese aus. Da geht es zunächst wie bisher um die vielen Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Hier stehen jetzt insbesondere die Auffrischung von Schulungen und die Erneuerung der erweiterten Führungszeugnisse an. Das soll künftig alle fünf Jahre geschehen. Und alle Einrichtungen sind aufgefordert, sogenannte institutionelle Schutzkonzepte zu entwickeln. Sie analysieren zum Beispiel Risikofaktoren, die sexualisierte Gewalt erleichtern, und leiten aus dieser Analyse Regeln und Maßnahmen ab. Jede Einrichtung benennt eine eigene Präventionsfachkraft, die bei Verdachts- und Tatfällen vertraulich ansprechbar ist.

Eine neue große Baustelle ist die Ausweitung des Präventionsgedankens auf schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene, etwa mit geistigen und körperlichen Handicaps. Die Erfahrungen und Konzepte aus dem Kinder- und Jugendbereich werden zurzeit auf diesen Bereich übertragen. Almuth Grüner ist da mittendrin. Im Austausch mit anderen Präventionsbeauftragten. In der Beratung mit den Kooperationspartnern im Bistum. In der Ausbildung von Prozessbegleitern, die Einrichtungen helfen sollen. Und, und, und. Eines ist klar: Ein ruhiger Job ist das nicht. Grüner geht das gelassen an. „Die Aufgabe ist für uns alle eine Herausforderung und für mich persönlich vielseitig und vielschichtig“, sagt sie. Sie erlebt allerorten große Aufgeschlossenheit für den Schutzgedanken, welcher der Prävention sexualisierter Gewalt zugrunde liegt. Damit ist aus ihrer Sicht die wichtigste Bedingung erfüllt, um alle Kräfte dafür zu mobilisieren, neues lebenslanges Leid durch Missbrauch zu verhindern.


An vielen Orten analysiert man Risiken und sucht Lösungen dafür

Wie weit die Auseinandersetzung mit dem Thema reicht, zeigt ein aktueller Beschluss der Jugendverbände im Bistum. Bei ihrer Frühjahrskonferenz verabschiedeten sie einen Verhaltenskodex zur Prävention sexueller Gewalt. Dieser umfasst zehn Schwerpunkte, die in der täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von Belang sind. Das geht von sensibler Sprache über die Angemessenheit von Körperkontakten bis hin zum Umgang mit Handys und sozialen Netzwerken.

Dass künftig auch erwachsene Schutzbedürftige im Blick sind, begrüßt Hans-Otto von Danwitz, Leiter der Pfarrei St. Lukas in Düren. „Als Seelsorger für Menschen mit Behinderung und in Alteneinrichtungen weiß ich um die Problematik“, sagt er und berichtet: „In unserem Altenheim Haus St. Anna sind wir gerade dabei, eine Präventionsordnung zu erarbeiten. Und ich bekomme mit, dass in allen Behinderteneinrichtungen verbindliche Vorgaben und Schutzmaßnahmen eingerichtet werden.“ „Viele Menschen mit Behinderung werden im Laufe ihres Lebens Opfer von sexualisierter Gewalt“, weiß auch Vera Mergenschröer, Qualitätsmanagerin der Caritas Lebenswelten GmbH in Aachen. Wie bei Kindern und Jugendlichen sei es wichtig, „die Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren, Risikofaktoren zu minimieren und Schutzfaktoren zu erhöhen“. Für potenzielle Täter soll es schwerer werden, Nischen zu finden. Schulungen sind nun auch bereits im Erwachsenenbereich angelaufen, die institutionellen Schutzkonzepte hingegen brauchen noch Zeit.

Ohnehin ist die Aufgabe groß, um nachhaltig etwas zu bewegen, betont Gudrun Jörißen, Einrichtungsleiterin des Vinzenz-Heims Aachen: „Möglichst wirkungsvolle Vermeidung von sexueller Gewalt gelingt nur dort, wo das ganze Hilfesystem vertritt, dass man respektvoll und achtsam miteinander umgeht – egal wie alt man ist.“ Zwei Präventionsfachkräfte gibt es im Haus, alle hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter sind geschult, jede Wohnabteilung hat einen sexualpädagogischen Beauftragten. Die Einrichtung setzt sich intensiv mit dem Thema Sexualität auseinander und plant für 2016 eine große Fachtagung, um in der Frage Vernetzung voranzutreiben und zu vertiefen.

Auf einen solchen fachlichen Austausch blicken auch die Jugendverbände im Bistum zurück, wie Anne Feger vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend erzählt: „Wir haben unser gesamtes Know-how zusammengetragen und so alle voneinander profitiert.“ Denselben Effekt erwartet die Referentin im Bereich der erwachsenen Schutzbefohlenen. Von den Erfahrungen, dem Wissen und Ergebnissen der Jugendverbände könnten die Einrichtungen profitieren, daraus in einer angepassten Weise Schulungen und Konzepte entwickeln. Wichtig sei hier wie dort, dass Schutzkonzepte gelebt würden.

Alle Befragten sehen die katholische Kirche auf einem guten, glaubwürdig ausgestalteten Weg, sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche vorzubeugen. Aber es fehlt zugleich nicht an kritischen Stimmen. Zum einen ist für Anne Feger der Missbrauchsskandal, der 2010 die deutsche Kirche erschütterte, nicht vollständig bewältigt: „Die Aufarbeitung der historischen Schuld ist aus meiner Sicht noch nicht ausreichend beantwortet.“ Zum anderen hinterfragt Hans-Otto von Danwitz, ob die Kultur in der Kirche wirklich ausreichende Fortschritte gemacht habe. Und sagt: „Es muss eine Sensibilität wachsen, die jede Heimlichtuerei, jede Unehrlichkeit verhindert. Die vorgeschriebenen Schulungen sind dafür ein guter Einstieg.“ Immer noch gebe es viele Bereiche, „wo nicht offen über Scheitern oder Gewissensentscheidungen gesprochen wird, die nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmen“, kritisiert er. „Das Eingehen einer neuen Beziehung nach Scheidung oder das Leben einer homosexuellen Partnerschaft sind zwei Beispiele, wo in vielen Gemeinden immer noch nicht offen mit umgegangen wird.“ Der Priester benennt, warum ihm das so wichtig ist: „Alle Heimlichtuerei schafft ein Klima, das Grundlage für Missbrauch ist.“

 

 


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 24.02.2016

 
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